Marktprognosen & Studien
Die Analysten sind sich einig: Agentic Commerce wird den digitalen Handel fundamental verändern. Über das Tempo und das Volumen gehen die Prognosen auseinander — von konservativ bis transformativ.
McKinsey: $3–5 Billionen bis 2030
McKinsey hat im Februar 2026 die bisher ambitionierteste Prognose veröffentlicht:
- US B2C: Bis zu $1 Billion orchestrierter Umsatz bis 2030 durch Agentic Commerce
- Global: $3–5 Billionen aggregiertes Marktvolumen
- Kernaussage: "Keine inkrementelle Steigerung, sondern eine Rekonfiguration des gesamten Commerce-Ökosystems"
McKinseys Analyse unterscheidet zwischen "orchestriertem Umsatz" (Käufe, die von Agenten initiiert oder beeinflusst werden) und "direktem Agent-Umsatz" (Käufe, die vollständig autonom ablaufen). Die $1 Billion bezieht sich auf orchestrierten Umsatz — ein deutlich breiterer Begriff. Die Microsoft-McKinsey-Partnerschaft, über die diese Zahlen veröffentlicht wurden, unterstreicht das Commitment beider Unternehmen.
Gartner: 33% mit Agentic AI bis 2028
Gartner prognostiziert, dass 33% der Unternehmen bis 2028 Agentic AI einsetzen — ein dramatischer Anstieg von unter 1% heute. Die Adoption wird durch drei Faktoren getrieben:
- Reifung der LLM-Technologie und Tool-Use-Fähigkeiten
- Verfügbarkeit offener Protokolle (ACP, UCP)
- Wettbewerbsdruck: Wer nicht automatisiert, verliert Marktanteile
Futurum Group: Enterprise-Perspektive
Die Futurum Group hat im ersten Halbjahr 2026 830 Enterprise-Entscheider befragt. Die Ergebnisse:
- 39% erwarten, dass sie GenAI primär über Agenten nutzen werden (nicht über Chat-Interfaces)
- 38% ranken Agentic AI als Top-2-Kaufkriterium bei Software-Beschaffung
- 56% nennen Talent-Mangel als größte Hürde für die Agentic-AI-Adoption
- 66% bevorzugen einen Platform-First-Ansatz (bestehende Plattformen um Agent-Fähigkeiten erweitern)
- 71% sind offen für einen Vendor-Wechsel 2025–2028, wenn der aktuelle Anbieter keine Agentic-Fähigkeiten bietet
Bain & Company: Konsumenten-Adoption
Bain & Company liefert die Konsumenten-Perspektive: 30–45% der US-Konsumenten nutzen bereits generative KI für Produktrecherchen. Das bedeutet: Die Nachfrageseite ist bereit — Konsumenten vertrauen KI-Systemen bereits bei der Kaufvorbereitung. Der Schritt von "KI für Recherche" zu "KI für den Kauf" ist technisch (über ACP/UCP) möglich und kulturell nicht mehr weit.
PYMNTS/Visa: Acquirer-Perspektive
Eine PYMNTS-Studie in Zusammenarbeit mit Visa (März 2026) beleuchtet die Payment-Infrastruktur-Seite:
- 90%+ der Acquirer nennen Governance, Permissions und Consent als Top-Prioritäten für Agent-Transaktionen
- Agentic Commerce wird als "Systems-and-Trust-Layer-Problem" eingestuft — nicht als reines Technologieproblem
- Die Payment-Branche sieht den größten Bedarf bei standardisierten Autorisierungs-Frameworks (→ AP2, Mandates)
Einordnung der Zahlen
Was die Zahlen bedeuten — und was nicht:
- Die Richtung ist klar: Alle großen Beratungshäuser, Tech-Unternehmen und Finanzinstitute sehen Agentic Commerce als transformativen Trend
- Die Spannen sind groß: McKinseys $3–5 Billionen reflektieren verschiedene Adoptionsszenarien. Das optimistische Ende setzt schnelle Protokoll-Standardisierung und globale Payment-Infrastruktur voraus
- Definitionen variieren: "Agentic Commerce" wird unterschiedlich definiert. McKinseys "orchestrierter Umsatz" umfasst auch Käufe, die von Agenten beeinflusst (nicht vollständig durchgeführt) werden
- Europa hinkt hinterher: Die meisten Zahlen beziehen sich auf die USA. Europa wird aufgrund regulatorischer Anforderungen (DSGVO, PSD2, AI Act) langsamer adoptieren
Häufig gestellte Fragen
Wie verlässlich sind diese Prognosen?
Marktprognosen für neue Technologien haben grundsätzlich hohe Unsicherheit. Die Spannen ($3–5 Bio.) reflektieren verschiedene Adoptionsszenarien. Die Richtung ist klar (signifikantes Wachstum), das genaue Volumen unsicher.
Ab wann wird Agentic Commerce Mainstream?
Die meisten Analysten erwarten den Tipping Point 2027–2028. Erste Implementierungen sind seit 2025 live, breite Adoption folgt, wenn sich Standards etabliert haben und Payment-Infrastruktur global verfügbar ist.
Wird Agentic Commerce den klassischen E-Commerce ablösen?
Nein. Agentic Commerce wird ein zusätzlicher Kanal — wie Mobile Commerce den Desktop-E-Commerce ergänzt hat, nicht ersetzt. McKinsey spricht von "Rekonfiguration", nicht von Ersatz.