EN
Startseite Definition ACP UCP AP2 MCP Alle Protokolle Für Händler Glossar Blog Impressum Datenschutz
Inhaltsverzeichnis

Agentic Commerce Protocol (ACP)

Das Agentic Commerce Protocol (ACP) ist ein offener Standard, der von OpenAI und Stripe entwickelt wurde. Er definiert, wie KI-Agenten — etwa ChatGPT — Produkte finden, Warenkörbe zusammenstellen und Käufe sicher abschließen können, ohne dass der Nutzer die Chat-Oberfläche verlässt.

ACP steht unter der Apache-2.0-Lizenz, ist Open Source und befindet sich aktuell in der Beta-Phase. Die erste produktive Implementierung läuft als Instant Checkout in ChatGPT.

Während der klassische E-Commerce für menschliche Nutzer in Browsern gebaut wurde — mit Produktseiten, Warenkörben und Checkout-Formularen — schafft ACP eine maschinenlesbare Schnittstelle, über die KI-Agenten den gesamten Kaufprozess programmatisch abwickeln können. Das Protokoll ist Teil einer größeren Bewegung hin zu Agentic Commerce: einem Handelsmodell, bei dem autonome KI-Agenten im Auftrag von Nutzern einkaufen.

Warum gibt es ACP?

Der heutige Online-Handel ist für menschliche Klicks optimiert. Jede Interaktion — vom Durchblättern einer Kategorie bis zum Eingeben der Kreditkartennummer — setzt einen Menschen am Bildschirm voraus. Wenn ein KI-Agent für seinen Nutzer einkaufen soll, steht er vor einem Problem: Es gibt keinen standardisierten Weg, mit Online-Shops zu kommunizieren.

Ohne ACP bräuchte jede Integration zwischen einem KI-Agenten und einem Händler individuellen Code. Ein Agent, der bei 100 Shops einkaufen können soll, müsste 100 verschiedene Integrationen pflegen. Das skaliert nicht.

ACP löst dieses Problem durch Standardisierung. Ein Händler implementiert das Protokoll einmal — und wird automatisch für jeden ACP-kompatiblen Agenten erreichbar. Das Kernversprechen lautet: "Build once, distribute to any agent."

Der Vergleich liegt nahe: ACP ist für Agentic Commerce das, was HTTP für das Web war — ein gemeinsames Protokoll, das den Informationsaustausch zwischen unterschiedlichen Systemen standardisiert.

Wer steckt hinter ACP?

OpenAI hat ACP maßgeblich initiiert und stellt mit ChatGPT die erste produktive Implementierung bereit. Über den "Instant Checkout" können ChatGPT-Nutzer Produkte direkt im Chat kaufen — ohne Umweg über den Browser des Händlers.

Stripe liefert die Payment-Infrastruktur. Die neue Agentic Commerce Suite ermöglicht Stripe-Kunden eine vereinfachte Integration: Wer bereits Stripe nutzt, kann ACP mit minimalem Aufwand anbinden. Stripe übernimmt dabei die sichere Zahlungsabwicklung über tokenisierte Credentials.

Die Governance des Protokolls liegt aktuell bei den Founding Maintainers (OpenAI und Stripe), mit einem angekündigten Pfad zu breiterer Community-Governance. Das Projekt ist auf GitHub als Open-Source-Repository verfügbar und akzeptiert Beiträge über RFCs (Request for Comments).

Die drei Bausteine von ACP

ACP ist in drei Schichten aufgebaut, die jeweils einen anderen Teil des Kaufprozesses standardisieren:

1. Product Feed Spec

Händler liefern ihre Produktdaten in einem standardisierten, maschinenlesbaren Format. Der Feed enthält alle Informationen, die ein KI-Agent braucht, um sinnvolle Empfehlungen zu geben:

  • Produktdetails: Name, Beschreibung, Bilder, Varianten (Größe, Farbe)
  • Preise und Verfügbarkeit: Aktueller Preis, Lagerbestand, Versandoptionen
  • Suchfähigkeit: Kategorien, Tags, Attribute für die Filterung
  • Checkout-Fähigkeit: Welche Produkte können direkt über ACP gekauft werden

Statt dass ein Agent die Website eines Händlers scrapen muss — ein fehleranfälliger und fragiler Prozess — stellt der Product Feed eine saubere, strukturierte Datenquelle bereit.

2. Checkout API

Die Checkout API ist das Herzstück von ACP. Sie definiert eine REST-basierte Schnittstelle mit vier Endpunkten:

  • CreateCheckout: Der Agent erstellt eine neue Checkout-Session beim Händler. Enthält die gewählten Produkte, Mengen und ggf. Versandadresse.
  • UpdateCheckout: Änderungen am Warenkorb — etwa Mengenänderung, Gutscheincode oder Versandoption.
  • CompleteCheckout: Der Agent schließt den Kauf ab, inklusive Zahlungsinformationen.
  • CancelCheckout: Abbruch der Transaktion.

Entscheidend: Der Händler behält die volle Kontrolle. Preise, Versandkosten, Steuern und Bestelllogik werden serverseitig beim Händler berechnet — nicht vom Agenten. Der Agent zeigt dem Nutzer nur an, was das Backend des Händlers zurückliefert. Mehr zur technischen Funktionsweise auf der Seite zur Checkout API.

3. Delegated Payment

Für die sichere Zahlungsabwicklung nutzt ACP SharedPaymentTokens — tokenisierte Zahlungsinformationen, die der Agent im Auftrag des Nutzers an den Händler weitergibt. Der Prozess:

  • Der Nutzer hinterlegt seine Zahlungsmethode einmalig beim Agenten (z.B. in ChatGPT)
  • Bei einem Kauf generiert der Agent einen temporären Token
  • Der Händler erhält den Token und verarbeitet die Zahlung über seinen bestehenden Payment-Stack
  • Die echten Kartendaten werden nie an den Agenten oder den Händler im Klartext übermittelt

Wie läuft ein Kauf über ACP ab?

Ein konkreter Ablauf, Schritt für Schritt:

  1. Nutzer äußert Kaufwunsch: "Ich brauche neue Laufschuhe, maximal 120 Euro, neutral gedämpft."
  2. Agent durchsucht Product Feeds: Der KI-Agent fragt die Produktdaten mehrerer ACP-kompatibler Händler ab und filtert nach den Kriterien des Nutzers.
  3. Agent präsentiert Optionen: "Ich habe drei passende Modelle gefunden: [Produkt A, B, C mit Preisen und Bildern]."
  4. Nutzer wählt: "Nimm Produkt B in Größe 43."
  5. Agent erstellt Checkout-Session: Per CreateCheckout wird beim Händler ein Warenkorb angelegt.
  6. Händler berechnet Details: Versandkosten, Steuern, voraussichtliche Lieferzeit — alles wird vom Backend des Händlers bestimmt.
  7. Agent zeigt Zusammenfassung: "Produkt B, Größe 43, 109,95 € + 4,95 € Versand. Lieferung in 2–3 Werktagen."
  8. Nutzer bestätigt: "Ja, kaufen."
  9. Agent provisioniert SharedPaymentToken: Die tokenisierten Zahlungsinformationen werden erstellt.
  10. Agent sendet CompleteCheckout: Checkout-Session wird mit Payment-Token abgeschlossen.
  11. Händler verarbeitet Zahlung: Über seinen Payment-Provider (z.B. Stripe) wird die Transaktion durchgeführt.
  12. Bestätigung: "Bestellt! Bestellnummer #12345. Du erhältst eine E-Mail vom Händler."

Der gesamte Vorgang findet im Chat statt. Der Nutzer muss weder eine Website besuchen noch ein Checkout-Formular ausfüllen.

Aktuelle Implementierungen

ACP ist kein theoretisches Konzept — es wird bereits produktiv eingesetzt:

  • ChatGPT Instant Checkout: Die erste Implementierung. Nutzer in den USA können direkt in ChatGPT einkaufen. Erste Partner sind unter anderem Etsy.
  • Stripe Agentic Commerce Suite: Ein Toolkit für Händler, das die ACP-Integration über bestehende Stripe-Konten ermöglicht. Für Stripe-Kunden die schnellste Möglichkeit, ACP-kompatibel zu werden.
  • Shopify: Über 1 Million Händler sind in der Pipeline für native ACP-Unterstützung. Shopify stellt zusätzlich einen MCP-Server bereit, der Agenten Zugriff auf Produktkataloge und Checkout gibt.
  • BigCommerce: Hat eine native ACP-Integration angekündigt.

ACP kann sowohl als klassische REST API als auch als MCP-Server implementiert werden — Händler haben die Wahl, welcher Integrationsweg besser zu ihrer Infrastruktur passt.

ACP im Vergleich zu anderen Protokollen

ACP ist nicht das einzige Protokoll für Agentic Commerce. Insbesondere das Universal Commerce Protocol (UCP) von Google und Shopify sowie das Agent Payments Protocol (AP2) von Google und Mastercard adressieren ähnliche Probleme — mit unterschiedlichem Fokus.

  • ACP vs. UCP: ACP konzentriert sich auf den Moment des Kaufs — Checkout und Payment. UCP deckt den gesamten Commerce-Lifecycle ab: von der Produktentdeckung über Identitätsverknüpfung bis zum Post-Purchase-Management (Retouren, Tracking).
  • ACP vs. AP2: ACP ist checkout-zentriert, AP2 ist ein universelles Payment-Framework mit "Mandates" — digital signierten Autorisierungen, die nicht auf Shopping beschränkt sind.
  • Koexistenz: Die Protokolle schließen sich nicht gegenseitig aus. Ein Händler könnte ACP für ChatGPT-Käufe und UCP für Google-basierte Agenten implementieren.

Einen detaillierten Vergleich finden Sie auf der Seite ACP vs. UCP vs. AP2.

Kritische Einordnung

Bei aller Dynamik ist eine nüchterne Betrachtung angebracht:

  • Noch Beta, noch US-only: Der Instant Checkout in ChatGPT ist auf die USA beschränkt. Internationale Expansion ist angekündigt, aber ohne konkretes Datum für Europa.
  • Stripe-Abhängigkeit: Die Delegated Payment-Schicht nutzt aktuell primär Stripe. Weitere Payment-Provider — darunter PayPal — sind als Partner angekündigt, aber noch nicht integriert.
  • Verlust des Kundenkontakts: Wenn Kunden über einen KI-Agenten kaufen statt über die Website des Händlers, verliert der Händler wertvolle Daten: Browsing-Verhalten, Warenkorbanalysen, Upselling-Möglichkeiten. Das Startup Forter hat mit dem Trusted Agentic Commerce Protocol (TACP) eine Antwort vorgeschlagen, die Kundendaten über JWE-Verschlüsselung an den Händler weitergibt.
  • Regulatorische Fragen: In Europa müssen DSGVO (Datenverarbeitung durch Agenten), PSD2 (Strong Customer Authentication bei Zahlungen) und das KI-Gesetz (AI Act) berücksichtigt werden. Wie ACP diese Anforderungen erfüllen wird, ist noch offen.

Ausblick

ACP wird sich weiterentwickeln. Die wichtigsten erwarteten Entwicklungen:

  • Internationale Expansion: Unterstützung für weitere Länder, Währungen und lokale Payment-Methoden (SEPA, iDEAL, Klarna).
  • Komplexere Warenkörbe: Multi-Merchant-Carts — ein Agent kauft Produkte von verschiedenen Händlern in einer Transaktion.
  • Vertical Extensions: Spezialisierte Protokoll-Erweiterungen für Branchen wie Automotive, B2B oder Immobilien, die komplexere Kaufprozesse erfordern.
  • Multi-Agent-Orchestrierung: Mehrere spezialisierte Agenten arbeiten zusammen — einer recherchiert, einer vergleicht Preise, einer schließt den Kauf ab.

ACP-Unterseiten

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Agentic Commerce Protocol?

Das Agentic Commerce Protocol (ACP) ist ein offener Standard von OpenAI und Stripe, der definiert, wie KI-Agenten Produkte finden, Warenkörbe zusammenstellen und Käufe sicher abschließen können — ohne dass der Nutzer die Chat-Oberfläche verlässt.

Wer hat ACP entwickelt?

ACP wurde von OpenAI und Stripe gemeinsam entwickelt. OpenAI stellt die erste Implementierung in ChatGPT bereit, Stripe liefert die Payment-Infrastruktur über die Agentic Commerce Suite. Das Protokoll steht unter der Apache-2.0-Lizenz.

Wie funktioniert ACP technisch?

ACP besteht aus drei Bausteinen: dem Product Feed Spec (strukturierte Produktdaten), der Checkout API (REST-basierte Endpunkte für Warenkorb und Kauf) und Delegated Payment (tokenisierte Zahlungsabwicklung über SharedPaymentTokens).

Was ist der Unterschied zwischen ACP und UCP?

ACP fokussiert auf Checkout und Payment — der Moment, in dem ein Kauf abgeschlossen wird. Das Universal Commerce Protocol (UCP) von Google und Shopify deckt den gesamten Commerce-Lifecycle ab: von Discovery über Identity bis Post-Purchase.

Kann mein Online-Shop ACP nutzen?

Ja, wenn Ihr Shop strukturierte Produktdaten bereitstellen und eine API für den Checkout anbieten kann. Für Stripe-Kunden gibt es eine vereinfachte Integration über die Agentic Commerce Suite. Shopify-Händler profitieren von nativer Unterstützung.

Ist ACP Open Source?

Ja. ACP steht unter der Apache-2.0-Lizenz und ist auf GitHub verfügbar. Jeder kann das Protokoll implementieren, erweitern und in eigene Systeme integrieren.

Wann kommt ACP nach Deutschland/Europa?

ACP ist aktuell primär in den USA implementiert (ChatGPT Instant Checkout). Eine internationale Expansion ist geplant, ein konkretes Datum für Europa steht noch nicht fest. Regulatorische Anforderungen wie DSGVO und PSD2 müssen berücksichtigt werden.

Was kostet die ACP-Integration?

Das Protokoll selbst ist kostenlos und Open Source. Kosten entstehen durch die Implementierung der Checkout API und die Payment-Abwicklung. Stripe erhebt seine üblichen Transaktionsgebühren. Der Implementierungsaufwand hängt von der bestehenden Infrastruktur ab.

A powered by AGENTICAL